Hallo miteinander,
parallel zu einer Streckenbearbeitung entstehen auch immer wieder Aufgaben. Es ist nicht vorhersehbar, ob diese jemals das Licht der Öffentlichkeit erblicken werden. So findet sich auch der IC 2076 in dieser Privatschatulle wieder, der im Fahrplanjahr 2010 zwischen Elbflorenz und Spree-Athen verkehrte…
Eine Anmerkung sei noch vorangestellt: Im realen Leben wurde in den vergangenen Jahrzehnten stetig auf der Dresdner Bahn gebaut - erst heute ist die direkte Verbindung zwischen Berlin-Südkreuz und Blankenfelde in Betrieb gegangen. Die verschiedenen Bauzustände sind zeitlich kaum noch einzuordnen, aber sie hatten merklichen Einfluss auf Unterbrechungen und Umleitungen. Auch die Gleisbelegung beispielsweise in mehrgleisigen Abschnitten der Region Dresden ist für mich nur ansatzweise nachzuvollziehen. Will sagen: Ich war nicht vor Ort, die Umsetzung in der Simulation mag von den tatsächlichen Verhältnissen abweichen - ich bitte um Nachsicht. Nun geht es aber los:
Frühstück in Dresden und Nickerchen nach dem Mittagessen in Westerland auf Sylt: Eine Reise mit dem Intercity "Sylter Strand" hat einige Jahre werktags diese Möglichkeit eröffnet. Sonntags war Berlin Hbf der Startpunkt, ein Zubringer aus Dresden wurde zu diesem Zug nicht angeboten. Ab dem Fahrplanjahr 2010 begann der "Sylter Strand" immer donnerstags seine Fahrt ebenfalls erst in Berlin. Zwischen Dresden und Berlin verkehrte stattdessen an jenem Wochentag ein zusätzlicher Zug in der sonst vom Intercity "Sylter Strand" genutzten Fahrplanlage. Für den erforderlichen Umstieg wurden den Reisenden immerhin drei Minuten in Berlin Hbf zugebilligt. Wer mit Kind, Kegel und Schlauchboot zur Nordseeküste unterwegs war, dürfte diese sportliche Herausforderung mit Freude angenommen haben.
Dieses Fahrplankonstrukt resultierte vermutlich aus betrieblichen Erfordernissen: Am Mittwochabend endet der aus Westerland kommende Intercity "Sylter Strand" planmäßig bereits in Berlin Südkreuz und rückt anschließend zur Wartung im Werk Berlin-Rummelsburg ein. Für die Fahrgäste nach Dresden wird deshalb ab Berlin ein weiterer Zug bereitgestellt, der in der gewohnten Fahrplanlage des Intercity "Sylter Strand" verkehrt. Nach Erreichen des Zielbahnhofs übernachtet der Zug in der Abstellanlage Dresden-Reick und bricht frühmorgens in die Gegenrichtung als IC 2076 wiederum in der Fahrplanlage des "Sylter Strand" auf. Nach dem letzten Fahrgastwechsel in Berlin reist der Leerzug zunächst weiter nach Berlin-Rummelsburg und einige Stunden später beginnt der Wagenpark seine nächste Fahrt als IC 144 nach Schiphol.
Damit ist das Objekt der Begierde definiert: IC 2076 Dresden Hbf ab 5.54 - Berlin Hbf an 8.20 und am Donnerstag, den 19. August 2010 vermeldet der Fahrtrichtungsanzeiger zunächst einmal "Verspätete Bereitstellung".
Der Umlaufplan sieht die Baureihe 120 zur Bespannung des IC 2076 vor. Heute übernimmt mit 120 141 eine der letzten drei noch orientrot lackierten Maschinen diese Aufgabe. Mit dieser Lackvariante wird die Lok bis zur Abstellung im August 2011 unterwegs sein. Am Nachbarbahnsteig ist der EN 476 "Metropol" aus Budapest-Keleti pu. einschließlich Kurswagen aus Wien angekommen. Mit diesem Zug erreicht auch ein österreichischer Taurus der Baureihe 1216 Dresden, geht hier aber vom Zug. Die Lok 120 120 lauert bereits und wird diesen Zug nach Berlin Hbf weiterbefördern, wobei ein Laufweg über Falkenberg und die Anhalter Bahn gewählt wird.
Mit ziemlich genau +10 beginnt die Reise. Die Verspätung sollte sich mit dem fahrplanmäßigen Betriebshalt in Priestewitz verrechnen, aber die S-Bahn Dresden hat möglicherweise auch noch ein Wörtchen mitzureden. Priestewitz? Ja, der direkte Weg über Neucoswig - Böhla - Großenhain Berliner Bahnhof ist derzeit gesperrt: Bei Kottewitz wird noch an der Einfädelung der Bahnstrecke Weißig-Böhla gearbeitet, die Ende des Jahres in Betrieb gehen wird. Während IC 2076 langsam an Geschwindigkeit gewinnt, rasselt auf der anderen Viaduktseite ein Güterzug in Richtung Tschechien vorbei.
Eine erste S-Bahn-Begegnung - die S2 nähert sich Dresden Hbf. Die Vielfalt des realen Fahrzeugeinsatzes im sächsischen Regional- und S-Bahn-Verkehr ist aufgrund des überschaubaren Wagenangebots für die Simulation nur ansatzweise nachzubilden. Immerhin: Für die S2 nach Pirna findet sich ein realer fotografischer Beleg vom Vortag: https://www.bahnbilder.de/bild/deutschla…ls-s2-nach.html. Nimmt man es mit den Generationen der Doppelstockwagen nicht zu genau, sollte ein stimmiger Eindruck umgesetzt sein.
Die Strecken in der Region Ostsachsen werden im Sommer 2010 noch von DB Regio bedient. Vielfach wird der Verkehr mit Siemens-Desiro-Classic-Zügen der Baureihe 642 abgewickelt. Bei der Einfahrt in Dresden-Neustadt trifft der IC 2076 noch die ebenfalls geringfügig verspätete Regionalbahn nach Kamenz an. Bereits im Frühjahr 2010 hatte die Städtebahn Sachsen vom VVO (Verkehrsverbund Oberelbe) den Zuschlag für das Dieselnetz erteilt bekommen und nahm zum Fahrplanwechsel am Jahresende dann den Betrieb auf. Weiterhin wurden Desiro-Triebzüge genutzt. Mitte 2019 ging dann jenem Unternehmen die Luft aus und wenig später folgte die Insolvenz. Die Verkehrsleistungen wurden per Notvergabe der MRB (Mitteldeutsche Regiobahn) zugeteilt und nach Kamenz ging es weiterhin mit den bewährten Desiros. Seit Dezember 2021 ist der Anfangszustand wieder hergestellt: DB Regio betreibt erneut das Dieselnetz, die Relation nach Kamenz wurde nun als S8 in das Liniennetz der S-Bahn Dresden eingebunden und… Überraschung! - es verkehren wie gehabt Desiros! Das ganze Tohuwabohu hat vielleicht einige Arbeitsplätze in der Verwaltung des Verkehrsverbunds gesichert - ein Nutzen der wettbewerblichen Ausschreibung offenbart sich für Betrieb, Personal oder Fahrgast nicht. Das einzige Plus ist der verdichtete S-Bahn-Takt, aber der wäre sicherlich auch ohne den ganzen Trubel realisiert worden!
Ebenfalls gen Norden strebt die 155 122 mit ihrem aus leeren tschechischen Staubgutwagen bestehenden Ganzzug. Seit vermutlich 2007 ist sie mit Einholmstromabnehmern sowie dem Railion Logistics-Signet ausgestattet. Nicht einmal ein Jahr ist seit einer Erneuerung der nun rechteckigen Puffer vergangen als im April 2015 die z-Stellung erfolgte. Ab März 2016 hat sich das Stillstandsmanagement in Mukran der Lok angenommen. In Betrieb sollte sie nicht mehr genommen werden, aber sie bereicherte den an die Fa. Railpool veräußerten Lokbestand. Im Sommer 2019 trat sie ihre letzte Reise zur Verwertung durch die Fa. Bender an.
Bereits in Dresden-Pieschen hatte der Fahrdienstleiter eine mehrminütige Pause verordnet. Der verspätete IC 2076 gerät auf dem folgenden Streckenabschnitt mit einer vorausfahrenden S-Bahn in Konflikt. In Radebeul West kann die S1 nach Meißen-Triebischtal endlich überholt werden.
Soweit zunächst einmal - Fortsetzung folgt!
Gruß EGZ